• Eva Jaussi

RETTUNGSENGEL IM WEIHNACHTSKLEID

Aktualisiert: Sept 24


Es ist Sonntagabend: mein Mann hat einen Bandscheibenvorfall. Wahnsinnige Schmerzen. Nimmt vom Neurologen verordnete Schmerztropfen. Um 2 Uhr morgens ruft er mich zu Hilfe. Sitzt am Boden, zittert und fällt in Ohnmacht. Ich hole ihn wieder zurück ins richtige Leben. Er zittert am ganzen Leib. Er kann nicht aufstehen. Ich rufe die Ambulanz. Mit starken Medikamenten wird er so «präpariert», dass er aufstehen und zum Auto hochsteigen kann. Wir werden in den Notfall gebracht. Dort übernachten wir (er im Bett – ich am Boden neben seinem Bett). Langsam erholt er sich von der Medikamentenunverträglichkeit.

Am Morgen um 8h00 schickt uns das Spitalpersonal wieder nach Hause mit einem neuen Schmerzmittel. Mein Mann nimmt um 9h00 eine Tablette davon. Eine Stunde später geht alles von vorne los. Er liegt leichenblass im Bett, Tränen rollen ihm übers Gesicht. Er hat einen extrem starken Migräneanfall – erneute Medikamentenunverträglichkeit. Die Ambulanz will ich nicht mehr rufen. Ich melde mich bei Judit – unserer Hausärztin und Freundin. Kurzentschlossen schliesst sie ihre Praxis und fährt sofort zu uns nach Hause. Und da steht Sie vor der Tür – unser Rettungsengel in Not:

Sie trägt rote wunderschöne lederne Overkneestiefel, rot grün karierte Strumpfhosen, ein grünes Strickkleid: oben enganliegend, unten tulpenförmig. Ihre schmale Taille ziert ein roter, breit geflochtener Lederbindegürtel. Eine funkelnde Samichlous-Brosche gibt ihrem Outfit den letzten Schliff.

Judit ist eine Frau der Taten. Sie untersucht meinen Mann (Sie hat natürlich in der Zwischenzeit den Bericht des Spitals ebenfalls angefordert und gelesen). Und sie weiss, was zu tun ist. Sie sitzt im Schneidersitz auf unserem Bett, dabei «gügslet» ein weisser Tüllunterrock unter dem grünen Strickkleid hervor. Gekonnt macht sie meinem Mann eine Meso-Therapie gefolgt von einer Neuraltherapie. Von Viertelstunde zu Viertelstunde geht es meinem Mann besser und besser. Endlich kann er entspannt in den Erholsungschlaf eintauchen – dank Judit!


Übrigens: Judit hat einen genial organisierten Kleider- und Schuhschrank Die Schuhe werden in Schachteln aufbewahrt. An den Schachteln hängen Polaroid-Bilder von ihren Kleidungstücken, die sie gerne dazu trägt.

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