• Eva Jaussi

Own your insecurities

Ich mochte meine kurzen Beine nicht. Ich mochte sie nicht mehr seit dem Sommer, als ich vierzehn war und meine Klassenkameradin Sandra zu mir sagte: mit deinen Proportionen stimmt etwas nicht. Deine Beine sind zu kurz.


Ich ging nach Hause, stellte mich vor meinen Spiegel und begutachtete meine Figur, um herauszufinden, was denn so falsch an meinen Beinen sein sollte. An diesem Tag trug ich rote Hosen und einen weiss gestrickten längeren Pullover. Der Pullover bedeckte meine Hüften und so wurden meine kurzen Beine durch die Länge und Farbe des Pullovers noch verkürzt.


Ich liess es damals zu, dass ihr Worte mich sehr stark trafen. Und ich fing an mir und meinem Körper zu zweifeln: ich war unperfekt!


Ich zermarterte mein Gehirn mit der Frage: wie kann ich meine Beine länger wirken lassen? Ich blätterte durch das von Mama abonnierte Meyer’s Modeblatt auf der Suche nach

Inspiration und Lösungen für mein Problem.


Dabei stiess ich auf ein Bild von Catherine Hepburn und ihre damalige moderne Eleganz zog mich ganz in ihren Bann. Sie trug weite hochgeschnittene Hosen in noir mit Gurt. Dazu eine Bluse, ebenfalls in noir, die sie in die Hose gesteckt hatte. Was für eine Silhouette! Alles in einer Farbe – monochrom. Das verlängert die Silhouette ungemein! Ich war total begeistert.


Da ich keine weiten Hosen hatte, plünderte ich kurzentschlossen den Kleiderschrank meiner Schwester. Ich fand eine blaue, taillierte Hose, die ich bis zum Anschlag hochzog und mit einem Gürtel befestigte. Als Oberteil holte ich den schmalen Rollkragen aus meiner Kommode, den ich wie Catherine Hepburn in die Hosen steckte…

Es war das erste Mal, dass ich mich mit dem Konzept eines Looks, eines Stils und meiner Ausstrahlung auseinandersetzte. Ich begann zu verstehen, dass wir feine Details ein wenig weiterverfolgen dürfen, um ein interessanteres Gesamtergebnis zu erzielen: Diese Hose war nicht einfach nur eine weite Hose, die verbarg, was ich damals an mir nicht mochte, sondern sie verlieh mir eine unbekümmerte, originelle Nonchalance. Aus einer Not heraus hatte ich einen schmeichelhaften Stil kreiert, der mir erst noch sehr gefiel.


Wenn ich eins gelernt habe aus diesem Erlebnis, dann ist es folgendes: bevor Sandra mir sagte, dass etwas falsch sei mit meinen Proportionen, war ich vollends zufrieden mit meinem Körper. Danach fokussierte ich mich leider zuerst nur noch auf meinen "Makel". Daraus hat sich dann glücklicherweise ein anderer Kleidungsstil entwickelt, der meinen "Makel" kaschierte. Doch darunter waren die Beine immer noch kurz. Ganz ehrlich, es dauerte noch eine ganz Weile, bis ich mich mit meinem Körper wieder versöhnte. Und du so? Wie geht es dir mit deinem Körper? Wenn wir uns mehr und mehr auf das konzentrieren, was uns an uns gefällt, können wir unser Selbstbild Schritt für Schritt verändern.


Love Eva


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