• Lea Sophie Rodenberg

Embrace your Imperfections

Ich glaube, wir haben diese drei Wörter schon oft verwendet, auf Instagram oder unserem Blog oder aber in einem unserer Seminare. Und dennoch möchte ich diese Message noch einmal wiederholen.


Die kleinen Unvollkommenheiten, die Dinge, die eben nicht perfekt sind, wir haben sie – in Form von Körperstellen, mit denen wir nicht zufrieden sind, oder auch Wesenszügen an uns, die nicht dem Bild von uns entsprechen, das wir als PERFEKT bezeichnen würden.


Aber wenn ich dich jetzt Frage, ob du gerne perfekt wärst, dann würdest du ziemlich sicher mit Nein antworten. Dennoch kommen diese Zweifel, ob wir perfekt genug sind, immer wieder auf.


In unserem aktuellen Stilgespräch gehe ich fünf Modemythen auf den Grund, um dir zu zeigen, dass Perfekt sein immer relativ ist. Denn wir alle finden eine Zeit in der Geschichte, in der unseren kleinen Unperfektheiten "in Mode" waren.


Deshalb sage ich dir jetzt:

Vergiss den Gedanken daran PERFEKT sein zu wollen und umarme deine Unperfektheit.



#1 Hohe Schuhe sind nur etwas für Frauen


Also erstens ist das ja auch heute völliger Quatsch. Ich kenne einige sehr stilvolle Männer, die ganz wunderbar in hohen Schuhen aussehen. Im 16. Jahrhundert erfunden, kommen die hohen Absätze ursprünglich aus dem Reitsport, denn so hatte der Reiter einen besseren Halt im Steigbügel. Doch zur Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. waren hohe Absätze schwer in Mode. Bei Frauen und bei Männern. Der Absatz war meist um 12 cm hoch. Nicht gerade wenig. Und wo die Schuhe der Damen oftmals unter den langen Röcken verschwanden, zeigten die Herren der Schöpfung ihre hohen Haken. Speziell für Ludwig XIV wurden übrigens Schuhe mit rotem Absatz kreiert. Sie galten als Hoheitszeichen und zur Zeit des Sonnenkönigs, durften dieses nur vom König selbst und den männlichen hohen Adligen getragen werden. So wurden die roten Absätze zu einem Zeichen von Macht. Es gibt sogar eine spezielle Form von hohen Absätzen, die nach dem König als Louis Absätze benannt wurden. Die rote Farbe kam übrigens von den Cochenilleschilläusen aus Mexiko, die importiert wurden und dann zerrieben die rote Farbe ergaben. Das war sehr teuer und konnte sich eh nur eine bestimmte Schicht der Gesellschaft leisten. Der rote Absatz ist heute vor allem für einen anderen Schuh sehr bekannt: Die Schuhe von Christian Louboutin.



#2 Schlank sein war schon immer mehr im Trend


Wahrscheinlich weisst du noch, dass zur Zeit des Barock die Frauen und Männer etwas fülliger waren. Körperfülle repräsentierte Reichtum und bei den Frauen natürlich auch Fruchtbarkeit.

Vielleicht kennst du noch die sogenannte Rubensfigur. Der Begriff geht auf den Barockmaler Peter Paul Rubens zurück, der für die Darstellung von eher kräftig gebauten Frauen mit üppigen Rundungen berühmt war. Es spricht jedoch vieles dafür, dass dies kein geltendes Ideal war zu dieser Zeit. Vermutlich war es eher Rubens persönliche Vorliebe und ein eher in Flandern und in den Niederlanden verbreitetes Ideal. Zur Zeit des Frühbarock waren jedoch grosse, weich drapierte Stoffmengen in Mode, die einem fülligen Körperbau eher entgegenkam und diesen nicht nur kaschierte, sondern auch vortäuschte. Im Hochbarock wurden jedoch wieder schlankere Frauen und Männer bevorzugt. Dies war bei den Frauen auch der französischen Mode und den eng geschnürten Taillen geschuldet. Sichtbare Schulterknochen wurden jedoch als mager eingestuft und waren absolut nicht erwünscht.

Im ausgehenden Mittelalter, genauer gesagt Anfang des 15. Jahrhunderts, war es für Frauen schicklich, wenn sie sehr schlank und zart waren mit einer hohen Taille und einem kleinen Busen. Aber der Bauch sollte Fruchtbarkeit repräsentieren. Daher wurde es Mode, die Hüften beim Laufen vorzuschieben und so einen fast schon schwangeren Bauch zu erzeugen. Praktischer Nebeneffekt war, dass die schwere Kopfbedeckung so besser ausbalanciert werden konnte.

Du kennst sicherlich das Bild die Arnulfini Hochzeit, spätestens seit Desperate Housewives. Die Dame hier ist ziemlich sicher nicht schwanger, sondern einfach nur "in Mode". Also das nächste Mal, wenn dich mit Blick auf deinen Bauch die wenig charmante Frage trifft, ob du schwanger wärst, sagst du einfach: Nein, ich bin einfach eine mittelalterliche Schönheit. Denn wir alle finden eine Zeit in der Geschichte, in der genau unsere Körperform total in war.



#3 Der Bikini ist eine Erfindung der 1950er Jahre


Auch die 1950er Jahre stimmen nicht so ganz, denn der beliebte Zweiteiler wurde erstmals von Louis Réard am 5. Juli 1946 im Pariser Schwimmbad Piscine Molitor von der Nackttänzerin Micheline Bernardini der Öffentlichkeit präsentiert. Danach brauchte es noch einige Jahre, bis der Bikini sich an den Stränden durchsetzte. Was jedoch weniger bekannt ist, ist, dass dem Bikini ähnliche Zweiteiler bereits in der Antike getragen wurden. Auf einem Mosaik der Villa Romana del Casale in Sizilien von 200 bis 300 v. Chr. sieht man Turnerinnen, die ein einfaches, um die Brust geschlungenes Band tragen und als Unterteil einen Schurz. Diese sind wohl aus Leinen gefertigt gewesen. Es wurde jedoch auch zweiteilige Unterwäsche aus Leder aus dieser Zeit gefunden. Auch andere Wandmalereien belegen die Existenz eines "Bikinis" in der Antike. Ich finde, dass wir das durchaus wieder so tragen könnten. Vielleicht nicht unbedingt aus Leinen oder Leder.

Die ersten Bikinis wurden aus Baumwolle und Jersey hergestellt. Als in den 1958 jedoch Spandex, also Lycra erfunden wurde, war das natürlich das Material der Wahl und ist es heute noch für einen Bikini, denn so passt er wie eine zweite Haut. Alternativ wird heute oder in den letzten Jahrzehnten natürlich auch Samt, Leder oder gehäkelte Stoffe verwendet.



#4 Volles Haar war schon immer das Mass der Dinge


Wir alle kennen die Gemälde mit den Renaissance- und Barock-Schönheiten mit den langen wallenden Locken. Und die unfassbar komplexen Frisuren und Perücken aus der Zeit von Marie-Antoinette. Man denke da nur an die Schiffe und Vögel, die sich die Frauen damals in die Haare gesteckt haben oder vielmehr stecken lassen haben.

Mitte des 15. Jahrhunderts war es für Frauen jedoch modern, eine hohe, glatte Stirn zu haben. Etwas, das wir heute mit Haarimplantaten und Hair-Spray-Ons zu vermeiden versuchen. Damals haben die Frauen jedoch ihren Haaransatz gebleicht und die Haare aus gezupft oder rasiert, um diesem Trend zu entsprechen. Wir können uns vorstellen, dass Bleaching in den 1450er Jahren doch noch etwas Schädlicher und Komplizierter war, als heute. Die restlichen Haare wurden dann kunstvoll hochgesteckt und oftmals noch durch hohe und spitze Hauben (Hennin genannt) betont. Dies sollte die schlanke Linie der Frau hervorheben. Wenn du dich also über deine hohe Stirn beschwerst, dann denk dran, welche Qualen und Anstrengungen Frauen zu einer anderen Zeit auf sich genommen haben, um so auszusehen wie du.



#5 Zerrissene Jeans sind nur etwas für junge Leute


Unser letzter Mythos für heute bringt mich immer zum Schmunzeln. Ich selbst trage auch gerne mal das ein oder andere Paar zerrissener Jeans und muss mir von einigen Menschen insbesondere meine Oma anhören, dass das ja furchtbar aussieht und ob ich kein Geld für eine neue Hose hätte. Aber schon im 16. und 17. Jahrhundert war es Mode, „zerhackte“ und „zerschnittene“ Stoffe zu tragen. Auch wurden Muster mit Schnitten und Rissen erzeugt, die auf der teilweisen Zerstörung des Stoffs basieren. Allerdings war darunter keine nackte Haut zu sehen, sondern ein anderer Stoff, ein anderes Material oder eine andere Farbe. Auch damals wurden diese geschlitzten Kleider mit Stolz und als Statussymbol getragen und waren gleichzeitig eines Anderen Ärgernis. Ein Stück Stoff insbesondere aus Seide hatte damals einen hohen materiellen Wert, den wir heute leider oftmals vergessen. Dennoch können wir uns gut vorstellen, dass nur jemand aus einer hohen gesellschaftlichen Schicht sich Seidenstoffe leisten konnte und vor allen dann noch erlauben konnte, diesen wertvollen Stoff zu zerschneiden. Was den Stoff natürlich gleichzeitig auch weniger haltbar macht. Das ist ein ultimativer Ausdruck von Geld und Macht. Natürlich unterlag auch dieser Trend den damaligen Kleidervorschriften und durften gar nicht von jedermann und -frau getragen werden. Besonders die christliche Kirche war wenig begeistert von diesem Trend. Es war unziemlich, verschwenderisch und schlichtweg Teufelswerk. Auch hier kann man eine Parallele zu dem heutigen Unmut über zerrissene Jeans ziehen. Aber ein Teufelswerk sind diese Denimkunstwerke nicht wirklich und können von Jung und Alt getragen werden. Wenn man oder frau denn mag.


Embrace your Imperfections.


Du kannst STILverliebt du selbst sein, mit deinem Stil, der einzigartig, inspirierend und unabhängig ist.



6 Ansichten0 Kommentare