• Lea

Die Krux des Black Friday

Das Black Weekend neigt sich so langsam dem Ende zu und vermutlich hast du das ein oder andere Schnäppchen gemacht. Vielleicht ein Weihnachtsgeschenk für deine Lieben gekauft oder dir selbst einen Wunsch erfüllt. Vielleicht war es aber auch nur ein Impulskauf. Ganz spontan hat dich in einem der 1000 Newsletter, die in den letzten drei Tagen in deine Inbox geflogen sind, dieses wunderschöne Top angesprochen. Spätestens am Mittwoch wird es bei dir Zuhause sein. Ob es dir dann immer noch gefällt?


Black Friday bezeichnet den Freitag nach Thanksgiving (immer am letzten Donnerstag im November). Hat also nichts damit zu tun, ob es der Freitag vor dem ersten Advent ist oder der Freitag eine Woche davor, an dem man bekanntlich kein zufriedenstellendes Weihnachtsgeschenk kaufen kann. Am Montag darauf folgt dann der Cyber Monday, der höchte Feiertag des Online Handels.

Warum aber eigentlich Black Friday?

Der Tag war in den USA schon immer einer der Umsatzreichsten Shoppingtage im Jahr. In den meisten Großstädten sorgte das für heilloses Verkehrschaos. Bei so vielen Menschen, Bussen, Autos und Straßenbahnen kamen die Polizisten kaum hinterher und so wurde der Tag zum Schwarzen Freitag. Gleichzeitig schreiben die meisten Geschäfte nach dem grauen und unattraktiven November wieder schwarze Zahlen. In den USA ist dieser Tag schon seit den 1970er Jahren verbreitet. Eine Zeit in der bei uns überall noch von WSV (Winterschlussverkauf, erinnert ihr euch?) gesprochen wurde. Klingt natürlich nicht ganz so sexy wie Black Friday.

Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf

In den USA sieht man am Morgen des Black Friday Menschen vor Geschäften kampieren. Schon in den frühen Morgenstunden sichern sie sich den sicheren Platz in der ersten Reihe vor der Ladentüre und harren Stunden in der Kälte aus, damit sie das Kochgeschirrset 70 % günstiger bekommen können.

Rekordhalter im Warten sind Vicky Torres und Juanita Salas. 2014 haben die beiden 22 Tage vor dem Black Friday auf Campingstühlen vor dem Shop verharrt und sich mit mitgebrachtem Essen und Musik verpflegt. Nach drei Wochen waren sie die ersten, die den reduzierten Fernseher mit nach Hause nehmen durften.

Bei den großen Schnäppchen kann man natürlich auch jemanden dafür bezahlen für einen in der Reihe zu warten. Line-Sitting-Services nennt sich das Ganze dann. In der Zeit kann man sich dann schon den ersten oder zweiten Glühwein gönnen, denn einer Umfrage zufolge betreten in den USA mindestens 12 Prozent aller Einkäufer am Black Friday die Geschäfte unter Alkoholeinfluss. Schließlich ist es der Tag nach Thanksgiving. Damit lassen sich sicherlich immer die richtigen Kaufentscheidungen treffen. Die meisten Menschen sind unter Alkoholeinfluss viel eher bereit höhere Beträge auszugeben.

Auf der Seite http://blackfridaydeathcount.com werden seit 2008 alle Todesfälle und gravierenden Verletzungen in Zusammenhang mit dem Black Friday aufgelistet. Inzwischen sind es 17 Todesfälle und 125 schwerwiegende Verletzungen. Die Ereignisse reichen von Prügeleien um ein das Lieblingsprodukt, über verletzte Verkäufer in der Enge des Kaufhausgedrängels bis hin zu einem Tod nach Herzinfarkt während des Einkaufs. Traurig, aber wahr.


Und ist es das ganze Chaos wert?


Oftmals ist der angegebene Rabatt der Preisnachlass auf die unverbindliche Preisempfehlung und nicht der auf den aktuellen Verkaufspreis. Da bleiben dann oftmals von 50 % reduziert nur noch 20 % übrig.

Seit der nahezu weltweiten Verbreitung des Black Friday ist inzwischen ein ganzer Wirtschaftszweig entstanden, der speziell für diesen Tag Produkte anfertigt, die hochpreisig wirken, aber eigentlich aus weniger hochwertigen Materialien hergestellt sind. Diese Fake-Schnäppchen werden dann hoch bepreist und direkt reduziert auf ihren eigentlichen Wert.

Es gibt auch Theorien darüber, dass die großen Online-Handel Giganten schon Wochen vorher die Preise immer wieder um einen kleinen Betrag erhöhen, damit am Cyber Monday der Rabatt besonders groß ausfällt.


Wenn ich nun also doch leicht angetrunken, stundenlang in der Kälte vor einem Geschäft gewartet, mich noch mit meiner Nachbarin geprügelt und schon einen Autoanfall mitangesehen, endlich das Ersehnte mit viel kleinerem Rabatt gekauft habe, als ich dachte, bereue ich nun im Schnitt 50 % meiner Einkäufe. Warum sollten wir uns das also antun?


Am Black Friday werden vor allem Spielzeug und Bekleidung gekauft. Technik und Haushaltsgeräte sind heute eher am Cyber Monday zu finden. Vielleicht hast du also, wie viele andere Menschen am Freitag endlich den Wintermantel gekauft, den du schon seit Wochen anschmachtest. Du warst im Geschäft, hast ihn anprobiert (er passt natürlich perfekt) und er wäre die optimale Ergänzung für deine Garderobe und deinen Stil. Und am Black Friday soll er nur die Hälfte kosten. Wer würde da schon nein sagen? Problematischer

ist ja auch viel mehr das Top und die Tasche, die ja auch so viel reduziert waren und direkt daneben lagen. Das Top trägst du vielleicht einmal. Und die Tasche? Die passt irgendwie doch nicht so. Die Rückgabefrist ist aber leider auch schon abgelaufen. So steht die Tasche seit Jahren in deinem Schrank und hofft irgendwann einen neuen Besitzer zu finden.


Dann vielleicht doch lieber der Kauf-Nix-Tag?


Seit 1992 gibt es einen Konkurrenztag zum Black Friday: den Buy Nothing Day. Inzwischen nehmen mehr als 60 Länder weltweit daran teil. Der Tag gilt als Aktionstag zum Nachdenken über Nachhaltigkeit und das persönliche Kaufverhalten. In den USA kommt es bei Demonstrationen der Nicht-Käufer immer wieder zu Zusammenstößen mit den Schnäppchenjägern.

Ob Konsum oder nicht Konsum... am Ende stellt sich uns doch nur die Frage: To buy or not to buy.

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